Artikel 03./04.2019

Was verbindet eigentlich uns als Christen?

Vielleicht die Bitte eines Mannes aus uralter Zeit. Mose betete damals: „Gott, lass mich deine Herrlichkeit sehen!“ ( 2. Mose 33,18 ) Der Blick auf den Ewigen, ein Gott, vor dem die Erde zittert, der heilig ist. Alles dreht sich um ihn, nicht um uns.

Was bedeutet es eigentlich, der Herrlichkeit Gottes zu begegnen? Hiob musste vor ihr kapitulieren, als Gott ihn fragte: „Wo warst du, als ich die Erde gründete?“ ( Hiob 38,4 ) Was wissen wir schon von den Vorgängen jener Welt?

Angenommen, wir könnten Gott sehen, hinter die Kulissen schauen - was hätte das für Auswirkungen auf unser Leben, auf unser Miteinander, auf unsere Gemeinden? Was wäre, wenn wir für ein paar Minuten im Kreis der Engel stehen könnten, die ihn anbeten? Ich bin mir nicht sicher, ob wir uns das wünschen sollten, denn eines ist sicher, nichts wäre mehr so wie vorher. Nach solch einem Erlebnis würden wir es vor dem Vorhang wahrscheinlich nicht mehr aushalten, aber wir würden uns auch nicht mehr so wichtig nehmen.

Mose, der große Mann Gottes, war in Not. Er sollte ein störrisches Volk führen. Dass Gott an dem Volk festhielt, hatte es Mose zu verdanken, denn er setzte sich für dieses Volk bis zur Selbstaufgabe ein. Er bete: „Wenn nicht dein Angesicht voran geht, so führe uns nicht fort von hier“ ( 2. Mose 33,15 ) Und obwohl er diese Verheißung hatte, dass Gott voran gehen wird, reichte ihm das noch nicht. Denn er kannte diesen undankbaren Haufen, der ein goldenes Kalb anbetete und Gott anklagte. Mose wusste, was Gott kann. Wissen wir es?

Und so bittet Mose um mehr: „Lass mich deine Herrlichkeit sehen!“ Bei Mose verschiebt sich der Brennpunkt - weg vom Ich hin zu Gott. Mose will alles, auch als Bestätigung für seinen Auftrag. Und wie reagiert Gott? „Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch kann leben, der mich sieht.“ ( 2. Mose 33,20 ) Aber er darf hinter Gott herschauen.

Der Blick hinter den Vorhang auf Gott würde uns nicht guttun, denn schon der flüchtige Blick hinter ihm her verändert alles: Moses Gesicht leuchtete so hell, dass er es vor dem Volk verbergen musste. Sie konnten es nicht ertragen. Das alles nur vom Blick auf Gottes Rücken.

Was eint uns, was verbindet? Ganz bestimmt nicht der Blick auf die Unterschiede. Ganz bestimmt auch nicht der Versuch, Gottes Herrlichkeit auf irdische Weise zu erklären. Wo das hinführt, können wir bei den Propheten oder in der Offenbarung nachlesen. Ich jedenfalls begreife die Beschreibungen Gottes nicht, die dort stehen.

Was uns aber eint und verbindet ist ganz bestimmt die ernst gemeinte gemeinsame Bitte: „Herr lass uns deine Herrlichkeit sehen. Hier schon und dann in alle Ewigkeit!“

Amen!

Euer Detlef