Artikel 03./04.2009

Liebe Geschwister, liebe Freunde!

Die Ereignisse der letzten Wochen haben mir das Gefühl gegeben etwas von Hiob zu haben. Als Gemeinde versuchten wir nach Gottes Willen zu leben, waren auf der Suche nach Gemeinschaft mit Gott und untereinander, aber dann stürzen auf einmal die Ereignisse auf uns ein. So ähnlich muss es auch Hiob ergangen sein.

In der Bibel lesen wir, dass Hiob ein rechtschaffener Mann war, der sein Leben auf Gott ausrichtete, so dass Gott ihn segnete in allem was er tat. Das vergangene Jahr empfanden einige von uns auch als Segen Gottes. Die Jubiläumsfeierlichkeiten brachten neben der Freude an der Feier und dem Wiedersehen mit alten oder auch neuen Bekannten auch eine gewisse Aufmerksamkeit am Friedensheim in der Siedlung. Die Jugendlichen und das Nachbarschaftsfrühstück taten ihren Teil ebenfalls dazu bei, vom Segen Gottes sprechen zu können.

Aber mit Beginn des neuen Jahres scheint dies alles sich aufzulösen. Der Weggang von Geschwistern ist sehr schmerzhaft, besonders wenn man etwas um die Beweggründe weiss oder erahnt. Man hat plötzlich das Gefühl, auf dem Trockenen zu sitzen. Das Schiff, das sich Gemeinde nennt, ist durch den Weggang von Geschwistern leichter geworden. Im Gegensatz zur Ernährung bedeutet leicht hier nicht, dass es besser ist. Je leichter ein Schiff ist, desto eher wird es zum Spielball der Wellen. Wir haben unseren Tiefgang verloren, der uns hilft die Richtung zu halten - auch im übertragenen Sinne.

Ich erlebe Gott immer wieder als jemanden, der die Vielfalt mag. Wenn ich mir seine Natur betrachte, dann kann ich mich an der Vielfalt nicht sattsehen. Er hat nichts gleich geschaffen, weder uns Menschen – noch die Blumen oder andere Wesen und Dinge seiner Schöpfung. Wenn Geschwister gehen, dann wird die Vielfalt einer Gemeinde kleiner. Mit der geringeren Vielfalt fällt auch die Auseinandersetzung mit anderen Gedanken weg. Es fallen Ideen und Anregungen für die Arbeit in dieser Gemeinde, aber auch im persönlichen Leben mit Gott weg.

Geschwister sind weggegangen. Auch wenn wir in Anbetracht der kommenden Aufgaben jede Hilfe brauchen, denke ich doch, dass wir die Entscheidung respektieren müssen und auch sollten. Gott geht mit ihnen seinen eigenen Weg genauso wie mit uns auch. In den Jahren meines Glaubens habe ich gelernt, dass Gott es immer wieder anders führt als man gerade denkt oder sich erhofft. Auch darin ist Gott sehr vielfältig.

Manch einer fragt sich vielleicht, ob es sich lohnt überhaupt noch weiter zu machen? Vielleicht kommt auch die Frage auf, ob man selber an dieser Situation mit Schuld ist oder wer daran letztendlich Schuld hat? Derartige Fragen zu reflektieren, kann helfen, Gottes Wege darin zu verstehen und das eigene Verhalten gegenüber Geschwistern zu überdenken. Wenn das Nachdenken darüber aber zu einer Blockade im Dienst für Gott führt, dann ist das nicht gut und hilft nur dem Widersacher Gottes.

Gott möchte, dass wir in allen Lagen ihm vertrauen. Er möchte, dass egal wohin er uns führt, wir auf ihn schauen und seiner Führung folgen. Paulus drückt es mit den Worten aus: „Freuet euch, und abermals sage ich euch freuet euch.“ Hiob nutzt da ganz ähnliche Worte: „Der Herr hat‘s gegeben, der Herr hat‘s genommen, der Name des Herrn sei gelobt“. Genau das sollten wir auch tun, den Namen des Herrn loben. Nicht dafür, dass Geschwister gegangen sind, sondern dafür, dass Gott mit ihnen, aber auch mit uns, neue Wege gehen möchte.

Wir reden immer davon, dass die Anfechtungen größer werden, wenn wir uns auf dem richtigen Weg befinden - wenn wir uns weiter zu Gott hin bewegen. Der Weggang von Geschwistern ist Anfechtung. Die Schlussfolgerung daraus muss also lauten, wir befinden uns auf dem richtigen Weg. Machen wir also allen Anfechtungen zum Trotz weiter, die Arbeit unter den Jugendlichen und den Nachbarn fortzuführen und auszubauen.

Gott möge unsere gegangenen Geschwister und uns als Gemeinde auf unseren Wegen segnen.

euer Unterschrift Detlef