Artikel 01./02.2010

Liebe Geschwister im Herrn, liebe Freunde!

Das Jahr 2010 ist zum Jahr der Stille ausgerufen. Eigentlich sollte ich, gemäß diesem Jahresmotto, meinen Mund oder eher gesagt meine Finger (still)halten und euch auf diese Weise mit einer leeren Seite auf das Jahr der Stille einstimmen. Eine leere Seite zum Einstimmen und Stille werden vor Gott. Da das aber so einen schlechten Eindruck für eine Veröffentlichung macht, möchte ich doch ein paar Gedanken loswerden.

 Wir lesen in der Bibel immer wieder von Stille. Mal ist es die Stille Gottes, wenn er nicht auf unser Rufen reagiert, mal ist es die Stille des Beters, die benötigt wird, um zu Gott zu kommen. Aber was soll das eigentlich mit dem Jahr der Stille? Warum nicht eher ein Jahr des Gebetes?

Jeder Mensch empfindet die Stille anders. Wer schon mal in einem schalltoten Raum war, weiß dass uns absolute Stille gar nicht behagt. Wenn selbst unsere eigenen Geräusche verschluckt werden, ist Stille störend und irritierend. Also was ist gemeint mit dem Jahr der Stille? Sollen wir uns ein Jahr lang in die Abgeschiedenheit eines Eremiten zurückziehen?

Ich denke nicht. Das Jahr der Stille soll uns erinnern und ermutigen wieder stiller zu werden und die Hektik des Alltags öfter mal abzulegen. Uns wieder auf andere Dinge zu konzentrieren, als die tägliche Hektik. Doch wenn wir die Stille suchen und erleben, was dann?

„Seid stille und erkennt, dass ich Gott bin.“ fordert uns Psalm 46,11 auf. Die Stille, das Alleinsein bereitet uns auf die Begegnung mit Gott vor. Sie bereitet uns auf die Erkenntnis Gottes vor. Wenn wir stille werden, hat Gott die Möglichkeit zu uns zu reden, denn dann können wir ihn auch hören. In der Hektik des Alltags, in dem Lärm, der uns umgibt, ist es schwer, das sanfte Säuseln, in dem uns Gott begegnen möchte, mitzubekommen.

Als Elia völlig ausgebrannt nach dem Erlebnis auf dem Karmel und der Flucht vor Isebel in der Wüste sterben wollte, stärkte ihn Gott und schickte ihn auf einen mehrtägigen Marsch durch die Stille. Gott wollte Elia begegnen, ihn stärken und neu beauftragen, aber das konnte er nicht in der Hektik, in dem Trubel, in dem Elia noch steckte. 40 Tage und Nächte wanderte er in der Stille um sich vorzubereiten auf Gott. Er erwartete einen großen, mächtigen Gott, der Feuer vom Himmel fallen lässt. Aber er sollte dem Gott der Stille begegnen und musste dafür erst wieder still werden.

„Seid stille und erkennt, dass ich Gott bin.

Auch wir müssen erst wieder lernen stille zu werden, damit Gott uns stärken und neu beauftragen kann. Damit wir das stille, sanfte Sausen mitbekommen können, in dem Gott zu finden ist. Das Jahr der Stille kann uns dabei helfen, wenn wir uns darauf einlassen.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein stilles Jahr der Erkenntnis Gottes.

Euer Unterschrift Detlef