Artikel 07./08.2010

Predige ich Menschen oder Gott zuliebe? Oder suche ich Menschen gefällig zu sein? Wenn ich noch Menschen gefällig wäre, so wäre ich Christi Knecht nicht. Galater 1,10

Liebe Geschwister, liebe Freunde

Vor einigen Tagen las ich den vorangestellten Vers in der Tageslosung und fühlte mich wieder einmal von Gott ertappt. Immer wieder geht es mir mal so, dass ich bei Predigten denke: „Ach das kenn ich schon“ oder auch „Das hab ich doch gerade neulich erst gehört“. Damit einher geht dann der Gedanke, dass ich meine Zeit auch anders (vielleicht besser) verbringen könnte, als alte Kamellen zu hören. Ja vielleicht sogar, dass der Prediger ruhig einmal neue Gedanken aufgreifen könnte.

„Ein Prophet, der Träume hat, der erzähle Träume; wer aber mein Wort hat, der predige mein Wort recht.“ so heißt es bei Jeremia. Eigentlich sollte ich davon ausgehen, dass der Prediger Gottes Wort hat und dieses auch so weitergibt, wie es Gott möchte. Und wenn ich davon ausgehe, dann ist es Gottes Wort an mich, das ich in der Predigt höre. Vielleicht möchte Gott einfach mal, dass ich über alte Kamellen nachdenke oder er möchte dass ich hintereinander die gleiche Predigt höre, damit ich endlich begreife, was er mir sagen will.

Ein Prediger hat es nicht leicht, weil er immer in der Gefahr steht, Menschen gefällig zu sein, wie es Paulus ausdrückt. Nur wenn er sein eigenes Ich vergisst und versucht, den Predigttext mit Gottes Augen zu betrachten, wenn er versucht Gottes Wort dahinter zu sehen und es umzusetzen, wird er auch Gottes Wort weitersagen.

Als Zuhörer haben wir es aber auch nicht leicht, weil wir häufig versucht sind anzunehmen, dass in Predigten nur eigene Erfahrungen verarbeitet werden. Wir setzen möglicherweise zu selten voraus, dass es gerade heute Gottes Wort ist, dass mir etwas sagen will. Vielleicht weil wir Gottes Eingreifen in unser Leben zu selten erwarten?

Gott geht immer wieder andere Wege mit uns. Er lässt uns immer wieder neue Seiten an sich entdecken. Aber er zeigt sich auch immer wieder als der gleiche Gott. Gott ist immer wieder neu und doch immer derselbe. Dazu gehört auch, dass er uns immer wieder die „alten Wahrheiten“ vorhält, damit wir immer wieder darin gefestigt werden. Wie ein Musiker müssen wir immer wieder das Alte hören und üben, damit wir danach wieder an etwas Neues üben dürfen.

Manchmal kommt es uns so vor, dass wir nur an dem Alten üben und nichts Neues kommt, aber das ist nur unsere Sichtweise. Meine Gitarrenschüler werden sich auch oft wünschen, neue Stücke zu lernen, neue Techniken. Aber als Lehrer höre und sehe ich die Fehler bei dem Bisherigen und möchte erst eine Besserung haben. Zugleich lass ich kleine Übungen einfliessen, die sie auf das neue vorbereiten. Aber davon wissen und ahnen sie nichts. Wenn dann aber die neuen Stücke kommen, fällt es ihnen leichter, weil sie in dem Alten sicher sind und die benötigten Techniken beherrschen.

So ähnlich stelle ich das mir auch mit meinen Erfahrungen mit Gott vor. Er weiß um das Neue, das Zukünftige. Er sieht meine Fehler, meine Schwierigkeiten. Und wie ein guter Lehrer wird er erst versuchen das Alte zu festigen und Fehler zu beseitigen, bevor ich etwas Neues wagen darf. Dazu benutzt er auch Predigten, die das Alte wiederholen und neue Sichtweisen eröffnen.

Mit diesen Gedanken möchte ich den Predigern viel öfter unterstellen, dass sie Gottes Wort an mich weitergeben, damit ich mich korrigieren lassen und wachsen kann. Ich möchte auch in den alten Kamellen Gottes Wort an mich heute sehen. In der Bibel, die ich nun schon einige Male durchlesen durfte, komm ich auch immer wieder bei bekannten Stellen zu neuen Gedanken, weil Gottes Wort wirkt und lebendig ist.

Eine schöne Sommerzeit und für viele auch erholsame Ferien wünscht euch Unterschrift Detlef