Artikel 07./08.2011

Du, Herr, bist der Töpfer, ich bin der Ton

Liebe Freunde,

In der täglichen Bibellese war dieser Tage das Bild vom Töpfer, wie er den Ton bearbeitet, ihn formt. Es gelingt ihm nicht auf Anhieb, die richtige Formgebung zu erzielen. Also verwirft er das Modell und fängt von neuem an. Und nun gelingt ihm ein Gefäß, das ihm besser gefällt.

 

Ich finde es wunderbar, dass Gott Jeremia mit diesem Bild die Situation mit dem Volk Israel erklärt. Er stellt ihm die rhetorische Frage, ob er nicht, wie der Töpfer, genauso mit Israel verfahren kann? Warum tut er das? Weil er das Volk liebt und es auf einen guten Weg bringen möchte. Der Töpfer will das beste Gefäß hinbekommen, das möglich ist. Also formt er so lange, bis es ihm gelingt. So verfährt Gott auch mit uns.

Es gibt immer wieder Situationen in unserem Leben, die uns an unsere Grenzen des Belastbaren bringen. Da haben wir dann mitunter den Eindruck, dass Jesus nicht in unserer Nähe ist. Es entsteht das Gefühl, dass Jesus das Interesse an uns verloren hat. Wir fühlen uns verlassen. Obwohl wir Jesus suchen, gelingt es uns nicht, glücklich zu sein. Wir mühen und strampeln uns ab, aber das Gefühl sagt uns, dass wir am Abrutschen sind. Ach was, es ist kein Gefühl, es ist eine Tatsache, dass wir wieder das Ziel verfehlen. Gerade hatten wir noch alles im Griff! Nun aber entgleiten uns wieder die Dinge, einiges misslingt uns.

Aber genau in solchen Situationen ist Jesus – wenn wir uns denn nach ihm ausstrecken – uns besonders nahe. Er hat ein reges Interesse, dass wir zu ihm kommen mit unseren Schwierigkeiten. Nicht nur damit dürfen wir zu ihm kommen. Mit all unserem Sein dürfen wir zu ihm. Uns ist es erlaubt ihm alles zu bringen. Er will unser Versorger sein. Er sehnt sich nach Gemeinschaft mit uns. Er braucht uns, wie der Töpfer den Ton. Und wir? Brauchen wir Jesus auch? Brauchen wir ihn auch wie der Ton den Töpfer? Was ist der Ton ohne den Töpfer wert? Er bleibt ein Klumpen Ton, ohne jeden weiteren Sinn.

Wir brauchen Jesus auch für unser Überleben. Der Ton ist völlig willenlos, wenn er vom Töpfer bearbeitet wird. Er lässt sich in jede beliebige Form bringen. Wenn man längere Zeit mit ihm gearbeitet hat, fängt er an auszutrocknen. Dann benötigt er wieder etwas Feuchtigkeit, damit man ihn bearbeiten kann. Auch wir benötigen nach einer Weile etwas „Feuchtigkeit“ in unserem Leben. Es ist die Nähe zu Jesus, die wir benötigen. Die Gemeinschaft, die wir mit Jesus pflegen, macht uns bearbeitbar, wie die Feuchtigkeit den Ton.

Sind wir bereit für diesen Schritt hin zu Jesus? Sind wir bereit uns von ihm neu berühren zu lassen? Suchen wir die Nähe zu ihm im Alltag? Wenn uns die Sorgen wieder kaputt machen möchten. Wenn uns mal wieder alles zu entgleiten scheint und wir scheinbar keine Zeit mehr für Jesus haben.

Ich habe vor einigen Wochen wieder selber erleben dürfen, dass ich anfing auszutrocknen. Jesus war aus meinem Blickfeld verschwunden. Es erschütterte mich irgendwann, dass ich nicht einmal Freude hatte, ihm zu begegnen. Meine Interessen lagen in ganz anderen Dingen. Ich wusste, dass das nicht richtig war, aber ich konnte in dem Moment (der sich länger hinzog) nicht anders. Ich wollte zu Jesus, aber ich konnte nicht. Freunde halfen mir auf diesem Weg schließlich weiter. Heute sieht die Welt für mich wieder rosiger aus.

Manchmal sind es Freunde, die uns wieder auf die richtige Fährte zurückführen können, manchmal sind es einschneidende Situationen im Leben. Aber immer ist es der wunderbare Töpfer, der an der Drehscheibe dreht und den Ton formt. Wen oder was er dazu benötigt bleibt ihm überlassen. Nicht, dass ich nun einem willkürlich agierenden Gott ausgesetzt bin. Es hängt davon ab, wie weit ich es zulasse selber auszutrocknen oder bearbeitet zu werden, d.h. ob ich mich von Jesus entferne oder mich ihm wieder neu annähere. Ich möchte nicht aufhören Jesus zu suchen, ihm immer wieder neu zu begegnen.

Übrigens: auch dieser Artikel gelang mir nicht auf Anhieb. Es war wie in Jeremia 18,1-6 : das was ich zuerst geschrieben hatte, musste ich verwerfen; auch der 2. Anlauf misslang – eine gute Erfahrung

Mit herzlichem Schalom Euer Unterschrift Andreas