Artikel 09./10.2011

Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde. Prediger 3,1

Liebe Freunde.

Der Spätsommer beginnt. September und Oktober sind mit ihren oft noch warmen Tagen Abschiedsgrüße die uns, in bunter werdendes Laub verpackt, in die kürzer werdenden Tage begleiten. Früher war diese Zeit geprägt vom Ernten und Sammeln, von der Vorbereitung auf die kalte Jahreszeit. Nicht Wehmut, sondern Vorfreude auf neue Zeiten mit ganz eigenem Reiz können den beginnenden Herbst prägen.

 

Wir haben leider weitgehend den Kontakt zu diesen wohltuenden Rhythmen des Lebens verloren. Zeiten des Säens und Erntens, der Ruhe und Aktivität, der Gemeinschaft und der Einsamkeit gehören aber zum Leben dazu. Doch unsere Gesellschaft kennt solche guten Grenzen nicht mehr und setzt uns meist schon als Kinder auf ein Hochgeschwindigkeitsgleis.

Albert Frey besingt dieses Verhalten in seinem Lied Nachtfahrt:
  Goethe brauchte eine Woche durch die Alpen.
  Und wir schaffen es in einem halben Tag.
  Statt Auf- und Abstieg, Gipfelglück und Talfahrt
  nur Tunnelblick, nur Augen zu und durch.

Mein Leben soll jedoch keine so dahinrasende Nachtfahrt sein, auf der ich nur das sehe, was im Lichtkegel meiner Scheinwerfer ist.

Alles hat seine Zeit und: ...meine Zeit steht in deinen Händen. (Ps 31, 16). Gottes Fahrplan ist abwechslungsreicher als der der Welt! Seinen Fahrplan akzeptieren bedeutet, mein Leben so anzunehmen wie es ist. Die Dinge dürfen so sein wie sie sind. Die schweren und die leichten Zeiten unseres Lebens sind Weichenstellungen Gottes.

In Gottes Lebensfahrplan gibt es eben auch Zeiten in denen ich mich wie ein Bummelzug, eine schnaufende Dampflok oder gar wie auf dem Abstellgleis fühle. Mir persönlich missfällt es absolut, eine Zeitlang gar nichts zu tun und im Augenblick fällt es mir auch ziemlich schwer, mal über eine längere Zeit mich mit einem Buch hinzusetzen und „nur“ zu lesen. Aber all dies darf so sein und ist gut so. Denn unsere Endstation ist nie auf halber Strecke, sondern immer der Himmelsbahnhof.

Die Zeiten der Arbeitslosigkeit haben mich gelehrt, dass Gottes Zeit meist eine andere ist wie meine Zeit. Und auch jetzt, wo ich inzwischen eine feste Anstellung, einen verhältnismäßig sicheren Arbeitsplatz habe, wünschte ich mir, dass manches einfach schneller geht. Dass der nächste Auftrag, das nächste Projekt direkt im Anschluss an das abgeschlossene folgt. Doch oftmals ist dem nicht so. Wieder heißt es warten auf das, was Gott mir damit sagen und zeigen will.

Hadern wir nicht viel öfter mit unserem „Schicksal“, als dass wir die Zeiten unseres Lebens aus Gottes Hand nehmen?

Kämpfen wir nicht gegen Gott, sondern vertrauen wir ihm, dann werden wir frei. Alles darf so sein wie es ist, weil Gott daraus macht was er will. Helfen wir uns gegenseitig Gottes Fahrplan für unsere Leben und für unsere Gemeinde zu lesen, um dann gemeinsam Menschen zu helfen vom Schnellzug des Verderbens abzuspringen.

Euer Unterschrift Detlef