Artikel 11./12.2011

(Er)Warten

Liebe Leser des Boten,

in den letzten Tagen beschäftigt mich das Wort „Erwarten“.

 

Wir haben häufig irgendwelche Erwartungen. An Dinge (z.B. irgendwelche Gerätschaften) aber insbesondere an Menschen. Wir erwarten, dass ein Auto eine gewisse Geschwindigkeit fährt und immer noch sicher ist. Wir erwarten, dass Menschen uns helfen. Wir erwarten, dass der Andere uns versteht.
Und wir müssen einige Erwartungen, die man an uns stellt, auch erfüllen. In der Schule wird erwartet, dass man am Unterricht teilnimmt und sich auch aktiv daran beteiligt. Der Chef erwartet, dass der Mitarbeiter seine an ihn gestellten Forderungen erfüllt; idealerweise noch besser, als vorher. Der Mitarbeiter erwartet, dass am Ende des Monats das Geld auf dem Konto ist und er den kommenden Monat sorgenfrei(er) leben kann. Die Gemeinde hat gewisse Erwartungen an einen Gottesdienst – und jeder hat eine andere Erwartung.

Warum schreibe ich das hier so? Beim Nachdenken über das Wort „Erwarten“ habe ich den Eindruck, dass sich hier etwas Positives und etwas Negatives dahinter verbirgt. Vielleicht kann man das alles auch anders verstehen, sicherlich je nachdem, was wir bisher erlebt haben.

Das Wort Warten an sich hat für mich etwas Positives. Es setzt nichts weiter voraus. Wir sind passiv und hoffen, dass irgendwann mal was geschieht. Nämlich das, worauf wir warten. Ich möchte es mal an dieser Stelle so stehen lassen, dass der Wortteil ‘warten‘ positiv besetzt ist.

Betrachten wir uns mal das komplette Wort genauer, wenn der Wortteil ‘er‘ dazukommt. Es fällt mir auf, dass hier ein forderndes Warten gemeint ist. Wie bereits eingangs erwähnt, fordern wir von Dingen oder Menschen etwas.

Oder man fordert von uns etwas. Wir erwarten Geduld des Anderen. Wir erwarten Verständnis. Wir erwarten Liebe. Wir erwarten…

Wir alle brauchen Liebe. Aber ist unser Verhalten richtig, Liebe zu erwarten? Liebe fordert nicht ( 1. Korinther 13 ), sie gibt. Wir dürfen auf Liebe warten, sie aber nicht erwarten. Bringe ich jemand Liebe entgegen, muss/kann ich nicht erwarten, dass sie erwidert wird.

Gott hat uns seine Liebe erwiesen, indem er Jesus auf die Erde geschickt hat, der hier vor ca. 2000 Jahren gelebt und gewirkt hat. Die Juden haben auf ihn gewartet und tun es heute noch. Wir wissen, dass Jesus bereits auf die Erde kam und dürfen mit IHM leben.

In einigen Wochen haben wir wieder Advent, eine Zeit in der der Ankunft Jesu auf die Erde gedacht wird. Für uns Christen bedeutet es heute, dass uns diese Zeit an das zweite Kommen Jesu erinnern soll. Dass wir auf ihn warten; wir dürfen ihn in gewisser Form auch erwarten (auch wenn ich Erwarten oben als nicht positiv besetzt beschrieben habe). Es ist ein Erwarten, wie z.B. die freudige Erwartung, die es bei einer Schwangerschaft gibt. Oder bei einem lieben Besuch, der sich angekündigt hat.

Warten wir wirklich auf den Herrn? Oder leben wir unseren Alltag und werden von ihm bestimmt und gelenkt? Petrus drückt es in seinem 2. Brief folgendermaßen aus: Doch wir warten auf den neuen Himmel und die neue Erde, die Gott versprochen hat – die neue Welt, in der Gerechtigkeit regiert. ( 2. Petrus 3,13 )

Mit herzlichem Schalom für die kommende Adventszeit und dem Übergang in ein segensreiches Jahr 2012.

Euer Unterschrift Andreas