Artikel 01./02.2012

Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. 2.Korinther 12,9

Liebe Freunde,

mit der Jahreslosung darf und soll uns ein Wort Gottes das ganze Jahr über begleiten. Mit diesem Hintergrund ist die Jahreslosung sicher immer auch ein wegweisendes Wort: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

 

Ein tolles, starkes Wort. Aber schade, dass es nicht für mich bestimmt ist. Es kann nicht für mich gelten, denn ich bin doch nicht schwach. In unserer Zeit kann man nicht schwach sein, denn nur die Starken setzen sich durch. Wer etwas sein oder werden will, muss stark sein, darf keine Schwäche zeigen. Schon unseren Kinder bleuen wir das ein: Ein Indianer kennt keinen Schmerz.

Schwachheit oder das Zeigen von Schwäche ist auch unter Christen nicht weit verbreitet. Das macht nicht Halt vor Männlein, Weiblein, Jungen oder Alten. Schwäche zuzugeben fällt jedem schwer, mir ebenso. Ob es sich hierbei nur um körperliche Schwächen handelt, z.B. die schlechtere Seh- bzw. Hörfähigkeit, eine durch Krankheit oder das Alter eintretenden abgenommene Kraft, oder aber die geistliche Schwäche, das Stolpern über immer wieder die gleichen Sünden, ist hier völlig gleich. Schwäche ist und bleibt Schwäche.

Manch einer möchte keine Brille tragen, weil das nicht so schick aussieht, und doch hilft sie ungemein, wie ich selber feststellen musste. Ein anderer möchte auf Gehhilfen verzichten, weil das ist doch für die Alten oder die mit gebrochenem Fuß, dabei kann man damit Sicherheit im Alltag gewinnen. Oft ist es die eigene Eitelkeit, die uns daran hindert derartige Dinge anzunehmen.

Genauso ist es auch meine Eitelkeit, mir meine Schwäche einzugestehen und vielleicht jemanden mal um Hilfe zu bitten. Je kleiner das Ganze ist, desto eher bin ich dazu geneigt, es mit eigener Kraft zu versuchen. Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott. Doch durch diese Eitelkeit nehme ich mir wunderbare Erfahrungen. Die Erfahrung, dass einem geholfen wird. Und ich nehme anderen wunderbare Erfahrungen, nämlich die Erfahrung, dass man gebraucht wird, dass man helfen kann.

Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Bin ich bereit, das zu zulassen? Bin ich bereit, alles abzulegen, Eitelkeiten - Ängste, und mich ganz in die Hand Gottes zu begeben. Denn das muss ich tun, um seine Kraft zu erfahren. Ich muss mich selbst aufgeben und darf nicht an all den falschen Einstellungen und Vorstellungen festhalten, damit Gott in mir und auch durch mich wirken kann.

In Gottes Augen bin ich schwach, denn er sieht hinter meine Fassade. Die Frage ist nur, ob ich bereit bin, dass auch zu akzeptieren. Wenn ich das akzeptiere, kann ich mir auch helfen lassen. Vorher werde ich jede Hilfe ablehnen. Wenn ich bereit bin, das zu akzeptieren, werde ich auch die Hilfe anderer nicht mehr ablehnen, denn Gottes Hilfe geschieht in vielfältiger Gestalt.

Ein im Moor versinkender betete inbrünstig zu Gott, er möge ihm helfen. Wie zufällig kam die Feuerwehr vorbei und wollte den Mann retten, doch er lehnte ab, weil er von Gott die Hilfe erwartete. Daraufhin zog die Feuerwehr wieder ab. Aber es ließ ihnen keine Ruhe und sie kamen nach einiger Zeit wieder vorbei, doch erneut lehnte der Mann mit den gleichen Worten ab. Auch beim dritten Mal als er schon kaum noch den Kopf oben halten konnte, lehnte er wieder ab. Nachdem er dann gestorben war, kam er zu Gott und hielt ihm vor, dass er sein Gebet nicht erhört hätte. Gott erwiderte darauf, was er denn noch alles tun solle. Dreimal hatte er die Feuerwahr geschickt, aber dreimal hatte der Mann die Hilfe abgelehnt.

So ähnlich kann es uns ergehen, wenn wir nicht bereit sind, unser eigenes Ego und unsere Vorstellungen aufzugeben. Wir werden nicht die Hilfe Gottes erfahren, weil wir sie nicht erkennen und ablehnen.

Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Ich wünsche uns, dass wir im kommenden Jahr diese Erfahrung machen können.

Euer Unterschrift Detlef