Artikel 05./06.2014

„Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“ Galater 3,27+28

Der Apostel Paulus hat eine Erinnerung in seinem Leben, die mit diesem Vers 28 im dritten Kapitel des Galaterbriefs zu tun hat – eine Erinnerung an die Zeit vor seiner Begegnung mit Jesus auf der Straße nach Damaskus, die noch ziemlich lebendig gewesen sein wird. Früher hat Paulus nämlich jeden morgen ein Gebet gesprochen (das jüdische Morgengebet), wo ein Satz folgendermaßen lautet: „Gott ich danke dir, dass ich kein Heide bin, nicht ein Sklave und auch keine Frau.“

 

Wenn der Apostel diese drei Begriffe hier aufgreift und klarmacht, dass in allen drei Beziehungen Christus einen grundlegenden Unterschied gemacht hat, dann wird deutlich, dass diese Aussage hier für jüdische Leser ein regelrechter Schock war.

Die Unterschiede aufgehoben zwischen Juden und Griechen?
- zwischen Sklaven und Freie?
- zwischen Männer und Frauen?

Das war für damalige Leser starker Tobak.

Was hat dieser Vers uns heute noch zu sagen?

Die Einheit in Jesus Christus könnte kaum stärker betont werden als in diesen Worten des Apostels. In Christus verschwinden Unterschiede bis hin zur Bedeutungslosigkeit. Was aber ist die Grundlage dafür?

Wer Jesus begegnet ist, erkennt, dass dieser durch seine Selbsthingabe jedem Menschen einen unschätzbaren Wert verleiht. Außerdem hat jeder, der Jesus angenommen hat – bildhaft gesprochen - sich selbst kniend vor dem Kreuz erlebt und dort sind wir alle auf der gleichen Stufe. Diese Erfahrung ist die Grundlage unserer Einheit als Christen und, da wir immer wieder an diesen Ort vor dem Kreuz zurückkommen, werden wir auch immer wieder daran erinnert, dass wir vor Jesus alle auf der gleichen Stufe sind.

Die Gemeinde Jesu ist der eine Ort auf der Welt, wo die Unterschiede, die uns sonst scheiden, aufgehoben sind und nicht trennend wirken – so jedenfalls ist das Ideal!

Wie erleben wir uns als Gemeinde in dieser Hinsicht?

Ich erlebe im Friedensheim eine herzliche Annahme, von allen, die dazu gehören und auch eine Offenheit Neuen gegenüber. Niemand wird ausgegrenzt oder an den Rand geschoben, weil er/sie anders ist oder nicht reinzupassen scheint.

Trotzdem erscheint es mir wichtig hier auch zu sagen: Beten wir dafür, dass Gott uns allen in der Gemeinde offene Herzen schenkt für alle, die zu uns kommen werden – wer immer es in Zukunft auch sein wird - egal ob Ausländer oder Menschen, die im Leben abgestürzt sind und Hilfe brauchen.

Noch eines zur Klärung: Diese Aussage des Apostels bedeutet nun aber nicht, dass wir in der Gemeinde so tun sollten als gäbe es keine Unterschiede mehr. Diese Unterschiede, die es ja gibt, die führen dann auch dazu, dass Aufgaben unterschiedlich verteilt werden und dass nicht jeder alles macht. Natürlich bestehen Unterschiede zwischen Männern und Frauen! Aber diese Unterschiede trennen uns nicht und dürfen niemals dazu führen, dass wir jemandem einen geringeren Wert beimessen.

Auch Unterschiede im sozialen Stand oder in der Bildung bestehen und wir brauchen sie nicht verneinen und so tun als gäbe es sie nicht. Aber trennen dürfen uns diese Unterschiede nicht - das offene Herz füreinander müssen wir uns bewahren oder neu vom Herrn erbitten!

Ostern – wo wir bewusst Jesus am Kreuz betrachten - stärkt unsere Einheit jedes Jahr neu – bewahren wir diese aber auch im Rest des Jahres!

Ich wünsche allen einen gesegneten Frühling!

Artur