Artikel 01./02.2015

Nehmt einander an

Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob. Römer 15, 7

Zoff in Rom. Die Gemeinde streitet und wieder einmal geht es um die Frage: Wer hat Recht? Rom ein Schmelztiegel der Kulturen in dem auch die junge Gemeinde der Christen ein einziger Schmelztiegel ist. Da gibt es Juden, Römer, Griechen, Freie, Sklaven und, und, und. Kein Wunder das es bei all den unterschiedlichen Hintergründen zu Diskussionen und Streit kommt. Zuerst wurden die Argumente noch ganz friedlich ausgetauscht, doch bald schon kam es zu heftigen Auseinandersetzungen und Spaltungen. Spaltung in der Gemeinde wegen Essen und Trinken. Und so ähnlich geht das bis heute.

In der Gemeinde, zu der man gehört, gehören eben auch Leute, die völlig anders empfinden und ihre Urteile auch gut begründen. Gott hat diese Leute ebenfalls in die Gemeinde gerufen. Er beruft Menschen aus allen Kulturen und mit verschiedensten Biographien in seine Nachfolge und somit auch in seine Gemeinde. Diskussionen und Auseinandersetzungen gehören daher auch zur Gemeinde. Paulus sagte den Römern in Bezug auf ihre bitter umkämpften Fragen: „Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem Heiligen Geist.“ ( Römer 14,17 ). Und er gibt die Richtung an: „Lasst uns dem nachstreben, was zum Frieden dient und zur Erbauung untereinander.“ ( Römer 14,19 ). Deswegen solle man einerseits den anderen hochachten und Rücksicht auf dessen Gewissen nehmen. Zugleich solle man das, was man tut, aus Glauben tun können! Innerhalb dieser Leitlinien ist immer noch das Gespräch, die Auseinandersetzung, ja auch der Streit nötig. Aber es geht nicht darum, selber im Recht zu bleiben.

Es geht um mehr. Um Gott, um den anderen, um Gottes Reich. Diese Argumentation mündet in einer zentralen Orientierungshilfe: „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.“ ( Römer 15,7 ). Das leuchtet ein. Christus hat mich angenommen, wie ich bin. Er lädt mich an seinen Tisch. Der Grund ist seine Gnade. Also ist es ein guter Maßstab, dies auch auf den Nächsten anzuwenden. So schnell das einleuchtet, so schwer ist es in den konkreten und alltäglichen Fragen. Denn die anderen, die er auch an seinen Tisch geladen hat, mit denen hätte ich zum Teil nichts zu tun. Wir würden einfach getrennte Wege gehen. Aber Jesus hat uns gemeinsam, als bunte Familie an seinen Tisch geladen. Deswegen brauchen wir diese Erinnerung. Gemeinde Jesu ist kein Club derjenigen, die sich gegenseitig sympathisch finden. Wo Jesus herrscht, da nehmen wir einander an, wie er es tut. Das spüren dann auch Gäste, die unsere Veranstaltungen besuchen.

Ich bin überzeugt, dass lebendige Gemeinde aus vielen unterschiedlichen Menschen besteht. Zu missionarischen Zwecken kann sie zielorientierte Angebote einrichten, in denen gerne Hobbys und gleiche Geschmäcker gepflegt werden können. Das macht Spaß und zieht an. Aber es muss immer klar bleiben: Gemeinde Jesu ist größer. Denn nur in der größeren und bunteren Gemeinde lernen wir, von uns selber abzusehen und Jesus Christus in der Mitte zu behalten. Diese Vielfalt bezieht sich natürlich nicht auf offensichtliche Sünde. Aber da geht es auch schon wieder los: wo fängt Sünde an? Paulus sagt: das Reich Gottes ist Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist. Und jetzt müssen wir diskutieren, was tolerierbar ist und was nicht. Tun wir es im Sinne der Jahreslosung.

Euer Detlef