Artikel 07./08.2015

Nehmt einander an

Liebe Geschwister, liebe Freunde,

was muss ich eigentlich tun, um in den Himmel zu kommen? Ich denke, diese Frage bewegt jeden von uns ab und zu. Diese Frage wurde auch Jesus gestellt und ich glaube, wir kennen alle seine Antwort. Halte die Gesetze und liebe deinen Nächsten, wie dich selbst. Einfache Frage - klare Antwort. Und doch. Wenn ich mich so betrachte, dann fällt mir das gar nicht immer so leicht.

Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen, mit all deiner Kraft und mit all deinem Verstand. Ja ich liebe Gott und doch gibt es immer wieder die Momente, wo er mir unendlich fern vorkommt. Wo ich das Gefühl habe, das er sich - oder vielleicht doch eher ich - entfernt hat. Und dann sind mir doch solche Rituale, wie der Opferdienst lieber. Da weiß man doch, was zu tun ist. Jeden Morgen ein Opfer und alles ist gut. Doch das ist es nicht, was Gott möchte.

Gott möchte nicht dieses Herunterleiern von irgendwelchen Dingen. Ob das nun Opfer sind oder meine Bibellese. Er möchte mich. Ich soll mich auf ihn konzentrieren und nicht auf irgendwelche Dienste. Mit ihm in Kontakt kommen. Das kann direkt sein, das kann aber auch über meine Mitmenschen sein. Ihm ist es lieber, dass ich auf seine Art, den Menschen um mich herum begegne und nicht auf meine Art. Das kann ich aber nur, wenn ich auf Gott konzentriert bin. Wenn ich auf ihn schaue.
Vor einigen Jahren gab es diese Armbänder WWJD. Was würde Jesus tun? Sie sollten uns immer wieder daran erinnern, uns auf Jesus zu konzentrieren. Manchmal brauchen wir solche Hilfsmittel. Ich selber habe eine Zeitlang versucht, mit den Gebetsperlen zu arbeiten. Eine Kette, die mich bei jeder Berührung ins Gebet führen soll, wenn ich sie in der Hosentasche bei mir trage.

Hat es geholfen? Eine Zeitlang schon, aber dann ist es mir zu eintönig geworden. Und ich glaube, auch solch ein Opferdienst würde bei mir eher zu einer leeren Hülle verkommen. Vielleicht macht man ihn regelmäßig, aber er wird leer. So wie es bei den Israeliten letztendlich war. Ich habe kein Gefallen an eurem Opferdienst, muss Gott ihnen sagen.

Auch an unserem Dienst, was auch immer das sein mag, hat er kein Gefallen, wenn wir es nicht mit der richtigen Einstellung tun. So geht es mir auch mit der Jahreslosung. Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat. Wir werden aufgefordert, einander anzunehmen. Oftmals tun wir das, vielleicht auch nur mit Widerwillen. Die Person nervt mich, aber es ist ja mein Bruder, meine Schwester. Eben Jemand, den ich annehmen soll. Doch ich glaube an dieser Einstellung hat Gott kein Gefallen.
Nehmt einander an - ja, aber zu Gottes Lob. Zu seiner Ehre. Nicht weil er es uns sagt, sondern weil wir darin die Möglichkeit sehen, Jesu Liebe weiterzugeben. Annahme bedeutet dabei den anderen so stehen zu lassen, wie er ist. Auch wenn er mich nervt. Annehmen heißt auch den anderen zu achten und ihn seinen eigenen Weg gehen zu lassen. Als Vater muss ich das immer wieder in Bezug auf den eigenen Sohn lernen. Kinder müssen ihre eigenen Wege gehen, auch wenn sie uns nicht immer gefallen. Insbesondere dann, wenn sie erwachsen geworden sind.

Nehmt einander an, heißt nicht nur, den anderen seinen Weg gehen zu lassen, sondern auch, ihn in diesem Weg zu unterstützen.

Euer Detlef