Artikel 09./10.2015

Umkehren und wie Kinder werden

Jesus rief ein Kind, stellte es in ihre Mitte und sagte: »Ich versichere euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht ins Himmelreich kommen. Darum: Wer sich selbst erniedrigt und wie dieses Kind wird, der ist der Größte im Himmelreich.“ (Matthäus 18, 3 )

Man kann sich richtig die Fassungslosigkeit der Jünger vorstellen. Ich sehe förmlich vor mir, wie die Gesichtszüge der Jünger entgleisten, wie sie Jesus mit offenen Augen anstarren und warten, bis der endlich sagt: „April, April!“ 

 Kam aber nicht. Er meint es so. Wie die Kinder. Warum wie ein Kind? Was kann denn schon ein Kind?! Was trägt es denn groß bei zum Gelingen der Welt? 

Jesus setzt sogar noch eins drauf: „Wer sich selbst ERNIEDRIGT und wie dieses Kind wird, der ist der Größte im Himmelreich.“ Was zeichnet ein Kind aus, dass Gott die, die zu ihm gehören wollen, so haben will wie ein Kind? 

Ein Kind glaubt das, was die Eltern sagen und nimmt, was es bekommt. Das ist seine größte Gabe und leider auch der Grund für seine große Verletzlichkeit, denn was Eltern zu einem Kind sagen, was sie ihm geben, wird ein Kind für die Wahrheit halten. Glauben (vertrauen) und annehmen.

- Wir dagegen wollen unser Leben selbst bestimmen und kontrollieren.

- Wir wollen unabhängig sein auf niemanden angewiesen – und auch auf keine Geschenke angewiesen.

Deshalb heißt es „umkehren und wie die Kinder werden“. Wie die Kinder werden und im Vertrauen Gott die Kontrolle über unser Leben abgeben, das geht nicht ohne Umkehr. Da müssen wir vor Gott zugeben: „Ich habe mein Leben selbst kontrollieren wollen; ich habe alles selbst bestimmen und machen wollen. Das hat mich von dir, Gott, entfernt. So will ich nicht weiter machen – ich kehre um zu dir.“

Wie die Kinder werden und annehmen lernen – das annehmen lernen, was Gott mir in Jesus alles schenken will:
- Hier geht es um Vergebung meines Versagens vor Gott.
- Es geht darum aus der freien Gnade leben zu lernen, die ja nichts anderes als ein freies Geschenk Gottes ist – es geht darum auf alles Verdienenwollen - verzichten zu lernen.
- Es geht darum als Kind des himmlischen Vaters in froher Abhängigkeit leben zu lernen.
- Es geht darum, mich von meinem himmlischen Vater lieben zu lassen.

Im Gegensatz zu irdischen Eltern, die Fehler machen, ist unser himmlischer Vater vollkommen und liebt uns mit einer Liebe, die wir uns gar nicht vorstellen können.

Hans-Joachim Eckstein, Professor in Tübingen hat gesagt: „Wenn wir uns selbst nur für eine Sekunde mit den Augen der Liebe Gottes sehen könnten, dann hätten sich unsere Selbstzweifel gleich für eine ganze Ewigkeit verflüchtigt.“ (aus. Eckstein, „Glaubensleben – Lebenslust“, SCM Hännsler, 2008; zit. nach Aufatmen 4/08, S.5). 

Dieser Liebe können wir uns vorbehaltlos anvertrauen – wie Kinder es tun.

Ich wünsche Euch ein gesegnetes Ausklingen des Sommers!

Euer Artur