Artikel 05./06.2016

„Kommt, seht … und staunt“

„Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen – und wir sind es auch.“ ( 1. Johannes 3,1 )

Johannes möchte uns mit hineinnehmen in sein großes Staunen über Weihnachten und Ostern. Johannes kann es nicht fassen. Er kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Er staunt über die große Liebe Gottes, die sich zeigte, als Gottes Sohn geboren wurde – und als Gottes Sohn sein Leben für uns gab: „Seht, welch eine große Liebe hat uns der Vater erwiesen!“

Er selbst ist alt geworden und hat dieses Staunen nicht verloren – er muss sich nur frisch erinnern an die Geschichte, die Maria erzählt hat über die Ankündigung und die Geburt selbst, über die Flucht nach Ägypten und das Aufwachsen Jesu. Und dann hat er seine eigenen Erinnerungen an die drei Jahre mit Jesus und die dramatischen Ereignisse als diese drei Jahre zu Ende gingen und Jesus verhaftet wurde und am Kreuz starb – göttliche Liebe!

Nur – die Liebe, die kann man eben nicht von vornherein sehen. Da braucht‘s mehr als zwei Augen im Kopf. Da braucht‘s ein offenes Herz. Dieses offene Herz hat Johannes sich bewahrt!

Er sieht dann aber Christen, die nach 20 oder 30 Jahren im Glauben über das Kommen Jesu oder über sein Leiden und Sterben reden können als ginge es um etwas Alltägliches wie das Wetter oder die letzte Mahlzeit. Johannes spürt, dass hier etwas verloren zu gehen droht, das nicht verloren gehen darf. Das Staunen darf nicht verschwinden aus dem Glauben – wenn es verloren gehen sollte, werden die Herzen kalt werden!

Arm dran ist, wer nur die Oberfläche sieht – und die Liebe nicht erkennt. Wohl dem, der durch die Oberfläche blickt, der den Durchblick hat, der die Liebe im Geschenk sehen kann.

Johannes nimmt seine Leser mit hinein in sein eigenes Staunen: Er bleibt dann beim Staunen über die Geburt von Jesus Christus nicht stehen – auch nicht bei den bloßen Ereignissen von Ostern. Er staunt noch mehr über die gewaltigen Konsequenzen, die das Kommen des Gottessohnes hatte: „Seht, welch eine große Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen.“ Staunen über staunen! „Seht welch eine große Liebe! Wir sollen Gottes Kinder heißen. Wir werden ihm gleich sein.“

Lassen wir uns vom Apostel neu anstecken, indem wir uns vertiefen in „unseres großen Gottes großes Tun“ (Paul Gerhardt)
Ich selber kann und mag nicht ruhn,
des großen Gottes großes Tun
erweckt mir alle Sinnen;
ich singe mit, wenn alles singt,
und lasse, was dem Höchsten klingt,
aus meinem Herzen rinnen.
„Staunen ist auch eine Kunst. Es gehört etwas dazu, Großes als groß zu begreifen.“
Theodor Fontane

Euer Artur