Artikel 07./08.2016

Liebe Geschwister,

das Motto der diesjährigen Pfingstkonferenz war „Brücken bauen“. Ein schönes Thema und wir haben einiges darüber gehört. Nicht nur in Vorträgen und Anspielen, sondern auch in den Workshops. Und in allem was nebenher lief, konnte man das Gehörte auch noch vertiefen oder sogar neue Brücken bauen.

 Brücken bauen, fällt nicht immer leicht. Den ersten Schritt zu wagen oder in eine Richtung zu gehen (und zu denken) erfordert Mut. Und dann ist da auch noch der Aufbau einer Brücke, sie soll ja schließlich auch etwas aushalten. Doch manchmal ist Brücken bauen auch das Ausnutzen von Umständen. Wie ist das immer in den Abenteuerfilmen, wo die Schlucht auf einem umgestürzten Baumstamm überquert wird. Auch eine Brücke. Manchmal ist es eben nur wichtig, die Situation zu erkennen und vorhandene Gegebenheiten zu nutzen.

Doch was kommt, wenn die Brücke dann endlich vorhanden ist? Eine Brücke ist dafür da, benutzt zu werden. Wir müssen den Weg immer wieder gehen und so die andere Seite erreichen. Aber eine Brücke ist in den seltensten Fällen eine Einbahnstraße. Auch von der anderen Seite kann sie benutzt werden. Sind wir auch dazu bereit, wenn vielleicht andere kommen, als diejenigen, für die wir die Brücke gedacht haben.

Ich möchte dazu ein Beispiel geben. Im Übergangswohnheim, wo ich regelmäßig Nachhilfe gebe, habe ich meine Handynummer an einzelne Kinder weitergegeben. Sie könnten mir auch zwischendurch mal eine Frage oder Nachricht zukommen lassen, wenn sie Fragen haben. Eine Hilfsbrücke, die ich geschlagen habe, aber würde sie auch genutzt werden?

Nun wurde ich doch tatsächlich außerhalb meines regelmäßigen Termins kontaktiert. Was nun? Passt das überhaupt in meine Zeitplanung rein? Keine Frage, ich habe es möglich gemacht, aber beim Brückenbau müssen wir uns auch immer im Klaren sein, dass es tatsächlich dazu kommen kann, dass die Brücke auch benutzt wird. Und dann sind wir gefragt.

Andere Brücken, die wir auf der Pfingstkonferenz gebaut haben, sind neue Kontakte, z. B. zu unseren Gastgebern oder anderen Personen, die wir kennengelernt haben. Es wurden sogar Kontaktdaten ausgetauscht. Doch auch hier stellt sich die Frage, werden wir es schaffen auch über die Brücke zu gehen. Der nächste Besuch in Neuwied lässt bestimmt noch etwas auf sich warten und auch ein Gegenbesuch in Berlin wird nicht schon morgen erfolgen. Bis dahin ist da diese Brücke.

Als Berliner bin ich nur zu gut mit der Problematik von maroden Brücken vertraut. Immer wieder kommt es deswegen zu Behinderungen, weil die Bauwerke nicht gepflegt werden. Auch unsere Brücken müssen gepflegt werden. Was heißt, man muss an den Beziehungen arbeiten. Wer hat denn schon mal mit den neuen Bekanntschaften Kontakt aufgenommen. Also nicht der kurze Dank innerhalb der ersten Woche danach, sondern jetzt einen Monat später.

Mir selber fällt es immer wieder schwer, Kontakte zu halten. Insbesondere, wenn es „entfernte“ Kontakte sind. Dabei ist es heute so einfach, schnell mal eine Mail, SMS oder WhatsApp zu schreiben. Brücken müssen gepflegt werden, sonst zerfallen sie. Ja Brücken müssen manchmal sogar ausgebaut werden, damit sie größeren Belastungen standhalten können. Und manchmal muss man sie sogar austauschen und erneuern, wenn sie nicht mehr tragfähig sind.

In diesem Sinne wünsche ich euch ein tragfähiges Brückenkonzept.

Euer  Signatur Detlef